Geschichte der Fotografie: Von den Anfängen bis heute

Das Smartphone ist heutzutage schnell bei der Hand. Auf der Straße. Beim Konzert. Während des Bungee-Sprungs. Doch Hand aufs Herz: wie viele dieser Schnappschüsse schaust Du Dir später überhaupt an? Hindert ständiges Fotografieren möglicherweise am echten Erleben? Wagen wir einen Blick zurück zu den Anfängen der Fotografie. Zurück zum Ursprung also – wo alles begann. Vor allem die Lust am Festhalten eines besonderen Augenblicks.

Der französische Fotograf Gaspard-Félix Tournachon, genannt Nadar, sagte 1856 sinngemäß, dass die Fotografie eine großartige Schöpfung sei, eine anziehende Wissenschaft für die bedeutendsten Denker, eine anregende Kunstfertigkeit für die Intelligentesten der Menschheit, und dennoch könne sie jeder Tölpel ausüben. Damals steckte die Fotografie noch in den Kinderschuhen. Noch war sie mehr Handwerk als Kunstwerk. Um wie viel wahrer muss diese Feststellung also heutzutage sein, wenn gefühlt jeder Mensch pausenlos mit dem Smartphone seine Umgebung dokumentiert?

Zugegeben: das ist eine etwas gewagte, vielleicht auch provokante Behauptung. Vielleicht aber nähern wir uns wieder ein wenig mehr der ursprünglichen Leidenschaft am Festhalten eines Augenblicks an, wenn wir auf die Anfänge zurückschauen.

Geschichte der Fotografie

Bereits in ihrer Bezeichnung ist die Fotografie poetisch. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet ‚Lichtzeichnung‘. Zum ersten Mal verwendete ihn der deutsche Astronom Johann Heinrich von Mädler im Jahre 1839. Tatsächlich besteht eine enge Verbindung zwischen Fotografie und Astronomie, also der Beobachtung der Himmelskörper. Der bedeutsame Vorläufer der Kamera, also der Apparat, mit dem fotografiert wird, ist die sogenannte ‚Camera obscura‘, eine Dunkelkammer, in der ab dem 11. Jahrhundert Sonnenbeobachtungen möglich waren. Beobachtungen also – und kein Festhalten eines Moments im Bild, das auch später noch betrachtet werden kann.

Für die Erfindung der Fotografie, wie wir sie heute kennen, war vor allem die Wiedererfindung der Linse nötig. Nachdem sie bereits im Ägypten des 8. Jahrhunderts v.Chr. bekannt war, geriet sie irgendwann in Vergessenheit. Mit konvexen und konkaven Glaslinsen sowie Spiegeln war es ab etwa 1550 möglich, Licht zu bündeln, um hellere und kontrastreichere Bilder zu erzeugen. Aus diesem Prinzip heraus entstand unter anderen Geräten die ‚Laterna magica‘, eine Art Projektionsgerät, gewissermaßen der Vorläufer eines Diaprojektors.

Als der französische Erfinder Joseph Nicéphore Niépce im Herbst 1826 die vermutlich weltweit erste Fotografie fixierte, nannte er sein Verfahren noch Heliografie – er zeichnete also mit der Sonne. Louis Jacques Mandé Daguerre verwendete 1837 ein besseres Verfahren. Seine Fotografien entwickelte er mit Quecksilberdämpfen. Die eigentliche Fixierung des Bildes auf versilberten Kupferplatten entstand mit Hilfe einer heißen Kochsalzlösung. Diese Daguerreotypien genannten Fotografien waren allesamt teure Unikate, werden aber heutzutage noch gerne für besondere Kunstwerke verwendet.

Die Fotografie vom teuren Unikat zur günstigen Massenware

Als der Engländer William Henry Fox Talbot im Jahre 1835 das Negativ-Positiv-Verfahren entwickelte, schuf er damit die Grundlage für alle fotografischen Prozesse seit 1860. Erst die Digitalfotografie seit den 1990er Jahren ermöglichte eine noch günstigere Fixierung des Augenblicks im Bild.

Mit dem Negativ-Positiv-Verfahren war es endlich möglich geworden, von einem Bild, das die realen Lichtverhältnisse als Negativ darstellte, mehrere Abzüge als Positiv herzustellen. Um 1840 entstanden erste Fotoateliers, in denen berühmte Zeitgenossen wie Alexander von Humboldt und Abraham Lincoln abgelichtet wurden. In der Leipziger ‚Illustrirten Zeitung‘ war 1883 die erste Fotografie abgebildet. Zuvor waren in Zeitungen und Zeitschriften gezeichnete Darstellungen zu sehen gewesen.

Was die Vervielfältigung der Fotografien bis 1924 noch erschwerte, war die Unhandlichkeit der Kameras. Denn bis zur Erfindung der Kleinbildkamera mit Rollfilm und später 35-mm-Film entsprach die Größe der Fotografie dem Aufnahmeformat.

Digitale Fotografie – wo bleibt die Spannung?

Die Älteren werden sich noch an die Vorfreude und Spannung erinnern, mit der fertig entwickelte Filme beim Fotografen begutachtet wurden. Die gängige Auswahl bestand aus Rollfilmen zu 24 oder 36 Aufnahmen, entweder in schwarz-weiß oder bunt. Bei dieser nur begrenzt zur Verfügung stehenden Anzahl an künftigen Fotografien wurde früher mehr Zeit auf die Motivwahl verwendet. Gruppenfotos waren sehr beliebt. Heute ist es das Selfie.

Wie sah die fotografische Praxis früher aus? Zum einen musste jede Fotografie zunächst entwickelt werden. Die Negative wurden in extra Alben verstaut – für spätere Vervielfältigungen von besonders gelungenen Fotografien. Die Fotoalben für die Positive ähnelten dem, was heutzutage als Scrapbooking wieder äußerst beliebt ist. Fotografien werden in besonderer Weise arrangiert in Bücher geklebt und mit schriftlichem Beiwerk versehen, um die einzelnen Fotografien zur Geschichte zu verbinden. Verbreiteter waren jedoch die großformatigen Fotoalben, die alle Fotografien für die spätere Betrachtung sammelte.

Fotografien vom Smartphone in die Cloud

Und heute? Derartige Fotosammlungen wandern immer öfter nicht mehr in die reale, sondern in die digitale Welt oder bleiben einfach da. Im Speicher des Smartphones. Als Album bei Facebook. Als Sammlung bei Instagram. Oder schlicht ausgelagert in der Cloud. Weil der Speicherplatz im Smartphone langsam knapp wird.

Digitalkameras ermöglichen es Fotografen, aus vielen Serienbildern das beste herauszusuchen. Doch die stetig verbesserten Kameras in Smartphones haben dazu geführt, dass viele Menschen keinen Fotoapparat mehr besitzen, sondern nur noch das Smartphone. Qualität, Bildausschnitt, Bildkomposition sind praktisch zweitrangig geworden. Wichtig ist die schlichte Dokumentation für die Freunde in der digitalen Welt, wo und mit wem der Urheber des Fotos überall gewesen ist.

Probleme und Grenzen der digitalen Bilderflut

Die scheinbar unbegrenzte Verfügbarkeit an Speicherkapazität hat zum Verlust der Qualität der einzelnen Fotografie geführt. Bildbearbeitungsprogramme können selbst verwackelte Schnappschüsse in ein subjektiv empfundenes Kunstwerk verwandeln. Wer also ehrlich zu sich selbst ist und einsieht, dass sein Talent zum Fotografieren begrenzt ist, geht einfach im Internet auf die Suche, bearbeitet den Fund und deklariert das neue Werk kurzerhand zum eigenen Motiv. Doch ist das überhaupt erlaubt?

Generell gilt das Urheberrecht für jede persönliche geistige Schöpfung, egal ob es sich um einen Roman, ein Gemälde oder eine Fotografie handelt. Bei einer Fotografie wird darüber hinaus zwischen Lichtbildern und Lichtbildwerken unterschieden. Zu Lichtbildern zählen einfache Schnappschüsse und Aufnahmen ohne erkennbare künstlerische Ästhetik. Diese Fotografien sind trotzdem ab Belichtung für 50 Jahre geschützt. Lichtbildwerke, also Fotografien mit künstlerischem Anspruch, sind für 70 Jahre ab dem Tod des Urhebers geschützt.

Selbst, wenn Du Dein Foto verkaufst, darf es ohne deine explizite Einwilligung nicht vervielfältigt werden. Und ohne Deine Einwilligung dürfen Deine bei Facebook geposteten Bilder nicht anderweitig verwendet werden.

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