Schärfentiefe oder Tiefenschärfe?

Grundlagen, Tipps und kreativer Einsatz in der Fotografie! Kleiner Ratgeber für Einsteiger – und wir klären auf, wie es denn nun wirklich heißt.

Fotos, in denen das Motiv scharf abgebildet ist, der Bereich davor und danach aber unscharf, begegnen uns überall. Deshalb kennen nicht nur Fotografen diesen Effekt. Jeder der Fotos betrachtet, wird früher oder später diesen Effekt konsumieren. Allerdings unbewusst, wenn das Auge nicht entsprechend geschult ist. Auch im Film ist dies ein häufig genutztes Stilmittel. Das Motiv wird quasi aus Hintergrund „herausgeschält“, es erscheint regelrecht freigestellt. Nichts lenkt von der Hauptaussage des Bildes ab:

Schärfentiefe Vergleich
Vergleich der Schärfentiefe: Links mit Blende 16, rechts mit Blende 3,5.
Motiv, Abstand, Kamera und Objektiv sind jeweils gleich.
(Canon EOS 5D Mark II mit Canon EF 135mm f/2L USM)

Wie heißt es denn nun richtig – und was ist es überhaupt?

Schärfentiefe ist die korrekte Bezeichnung! Der Begriff Tiefenschärfe wird zwar oft synonym benutzt, ist aber nicht richtig. Warum? Verantwortlich dafür sind physikalische Gesetze der Optik. Abhängig von der Entfernung des Motivs vom Fotografen, genauer der Sensorebene, gibt es einen genau definierten Bereich, welcher scharf abgebildet wird. Man kann also von einer Tiefe der Schärfe sprechen, nicht aber von der Schärfe der Tiefe. Deshalb darf die Schärfentiefe auch nicht verwechselt werden mit einem unscharf gestellten Focus, oder einem verwackelten Bild.
Im englischen heißt es übrigens Depth of Field, abgekürzt DoF.

Welche Faktoren haben Einfluss auf die Schärfentiefe?

Es gilt: Je größer der Abbildungsmaßstab und die Blendenöffnung, desto kleiner wird der Bereich, der scharf abgebildet ist. Da der Abbildungsmaßstab von der Brennweite abhängt, sind Brennweite, Abstand zum Motiv und Blende die Werkzeuge, mit denen der kreative Fotograf die Schärfentiefe bewusst gestalten kann.
Im Detail: Je weiter Du abblendest, desto mehr vergrößert sich der scharfe Bereich. Der Schärfentiefe Effekt als solches ist also schwächer wahrnehmbar. Oder umgekehrt: Der Effekt wirkt umso stärker, je geringer der Abstand zwischen Fotograf und Motiv ist, oder bei gleichem Abstand, je größer die Brennweite des Objektives ist. Deshalb beträgt in der Makrofotografie der Schärfentiefenbereich oft nur wenige mm.
Nun gibt es noch weitere Faktoren, welche die Schärfentiefe beeinflussen. Ohne weiter ins Detail zu gehen, wollen wir hier nur der Vollständigkeit etwa die Größe des Bildsensors nennen. Denn physikalisch gesehen ist das Thema ziemlich komplex.
Für den Einsteiger reicht es aber, wenn zunächst der Zusammenhang von Blende, Brennweite bzw. Abstand zum Motiv verstanden wird. Dabei helfen auch entsprechende Markierungen am Objektiv, anhand derer der scharf abgebildete Bereich abgelesen werden kann.

Ist mit einem Tele der Schärfentiefe-Effekt grundsätzlich stärker?

Theoretisch nein. Denn genau genommen wird die Schärfentiefe vom Abbildungsmaßstab definiert, und nicht durch die Brennweite. Praktisch gesehen ist dieser Satz als populäre Alltagsformel durchaus brauchbar, denn mit einem Tele lassen sich Motive nunmal viel leichter „ran holen“ und somit auch der Abbildungsmaßstab vergrößern als mit einem Weitwinkelobjektiv.

Kreativer Einsatz in der Fotografie

Immer dann, wenn der Blick des Betrachters besonders stark auf das Motiv gelenkt werden soll, empfiehlt es sich, die Schärfentiefe als gestalterischen Element bewusst einzusetzen. Das gilt für Video wie Fotografie gleichermaßen. Man nennt diesen Trick auch selektive Schärfe.
Aus diesem Grund macht sich bei Stillleben ein bewusster Einsatz der Schärfentiefe gut, wenn Du das Hauptmotiv – oder gar nur ein Detail davon – besonders hervorheben willst.
Auch bei Porträtaufnahmen wird gern mit geringer Schärfentiefe gearbeitet. Eine geringe Schärfentiefen-Einstellung empfiehlt sich, wenn jedes kleine Fältchen, jede emotionale Regung im Gesicht erkennbar sein soll. Daher ist diese Kamera-Einstellung auch beim Film sehr beliebt, umgangssprachlich gern bezeichnet als Hollywood-Look.
Umgekehrt ist in der Landschaftsfotografie eine geringe Schärfentiefe eher unerwünscht. Hier möchte der Fotograf ja die gesamte Weite einfangen.

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